Bernd Ruf, Dirigent und Professor (MH Lübeck): Im Stadtteil-Orchester begegnen sich Menschen durch die Sprache der Musik. Diese Idee unterstütze ich gerne.

Aktueller Spendenaufruf

Liebe Freundinnen und Freunde von Tontalente,

die 12-jährige Zina floh über die Balkanroute aus Syrien. Sie ist eine von 300 minderjährigen Flüchtlingen in Lübeck. Sie versucht, das Beste aus ihrer Situation zu machen.
Wir haben uns gefragt, wie wir helfen können. Für uns lag die Antwort auf der Hand: Musik ist heilsam und Zina liebt Musik. Sie möchte Gitarre lernen. Deshalb haben wir sie eingeladen, zum Stadtteil-Orchester zu kommen. Hier kann sie mit anderen zusammen Musik machen und ihre Deutschkenntnisse verbessern.

Bitte sorgen Sie mit einer Spende dafür, dass möglichst viele Flüchtlinge bei unseren Musikprojekten mitmachen können.

Vielen Dank!

Recherchereise nach Izmir (Türkei), Ann-Kristin Kröger

 

Vor über 10 Jahren habe ich eineinhalb Jahre lang in Izmir gelebt, deshalb war es ein bisschen wie „nach Hause kommen“, als ich im Sommer mit MusikerInnen und Vereinen gesprochen habe. Seit den Anschlägen in Istanbul und Ankara habe ich mir natürlich große Sorgen gemacht. Und nach dem Putschversuch fragte ich mich, ob ich die Reise verschieben sollte. Letztlich stellte sich heraus, dass die Lage in Izmir (für mich persönlich) sicher ist.

Intensiven Kontakt hatte ich zu dem Verein „Halkların köprüsü“ (Brücke zwischen Völkern). Vor einigen Jahren gründete sich der Verein, um die arme Bevölkerung in Izmir zu unterstützen. Zur Zeit fokussieren sie sich auf Flüchtlinge aus Syrien. Über 200 ehrenamtlich Engagierte arbeiten in den Bereichen Gesundheit, Verpflegung, Unterkunft, Bildung und Freizeit / Kultur. Von der Organisation eines Rollstuhls bis zu regelmäßigen Essensausgaben versuchen sie dort zu helfen, wo große Not ist. Außerdem haben sie im März den 1. Alan Kurdi Flüchtlingskongress organisiert.

Während ich in Izmir war, boten zwei Istanbuler KünstlerInnen Mal-Workshops für geflüchtete Kinder an. Dazu haben sie sich auf der großen Freifläche der Izmirer Festung getroffen. Traditionellerweise siedeln Flüchtlinge aus den kurdischen Gebieten in der Gegend an. Seit einiger Zeit leben dort auch viele Flüchtlinge aus Syrien.

Der VereinHalkların köprüsü arbeitet eng mit einer Musikgruppe zusammen, die mit Kinderliedern auftritt: „Schubadap Kind“ - şubadap çocuk. Sie übersetzen ihre selbst geschriebenen Kinderlieder auf kurdisch und arabisch und studieren sie mit Flüchtlingskindern ein. Einige Lieder erinnerten mich an das Grips-Theater. Zum Beispiel heißt es in einem Stück: „Mama schreibt ein Gedicht und Papa kocht Nudeln.“ Während der Probe fragte eine Musikerin die Kinder, ob deren Mama schon einmal ein Gedicht geschrieben habe? Und wer denn zu Hause kochen würde? Auf diese Weise machen sie Rollenklischees bewusst. Sehr gerne möchten sie einmal zu uns kommen und einen Workshop hier durchführen. http://www.subadapcocuk.org/

Die Mitglieder des Vereins der Izmirer MusikerInnen (İzmir müzisyenler derneği) forderten mich bei unserem Treffen im Café des Messegeländes auf, ein Lied zu spielen. Danach haben wir gemeinsam musiziert. Sie beschreiben sich als eine Gruppe von MusikerInnen, die ein „Gewissen“ haben – in dem Sinne, dass sie öffentlich Stellung beziehen und den Schwächeren helfen. Auch sie machen Musik mit Kindern oder bieten bspw. ein wöchentliches Rhythmus-Atelier an.

Und sie verbinden gesellschaftspolitische Anliegen mit musikalischen Kundgebungen. Zum Beispiel haben sie im Anschluss an den Putschversuch für mehrere Wochen die „Nachtwache für Freiheit und Demokratie“ organisiert und an einem öffentlichen Platz zum gemeinsamen Musizieren eingeladen. Ganz praktisch packen sie mit an, wenn es darum geht, Flüchtlingen bei einem Umzug zu helfen. https://www.facebook.com/izmirmuzisyenleri/?fref=ts

Mit der fachkundigen Hilfe von Murats Cousin Hikmet Tosun (er ist im Sommer gemeinsam mit dem Alevitischen Kulturverein im Lübecker Kolosseum aufgetreten) habe ich in einer Bağlama-Werkstatt zwei Anfänger-Instrumente für das Musikcafé International erstanden. Auch Hikmet hat großes Interesse an einer zukünftigen Zusammenarbeit mit den Tontalenten. Er kommt aus der Musikhochschul-Szene, was für uns sehr interessant ist. So hat er mich mit einem sehr begabten jungen Musiker, Muhlis Berberoğlu (https://www.youtube.com/watch?v=l8wBMrJa1Co) und seinem früheren Dozenten, Dr. Zeynel Demir bekannt gemacht. Und wir haben gemeinsam über mögliche Projekte nachgedacht.


Die Reise hat sich wirklich gelohnt. Es gilt spannende Menschen zu treffen und neue Melodien zu lernen. Allerdings werden wir abwarten, wie sich die Lage in der Türkei entwickelt und zunächst türkische MusikerInnen nach Lübeck einladen.